Draußen ist es kalt. Ich stehe an der Haltestelle und weiß, dass mir nicht mehr viel Zeit bleibt. Ich rauche eine nach der anderen. Der Wind pfeift durch meine Kleidung. „ Verdammt, dass werde ich niemals schaffen, das ist unmöglich!“ Gedanken rasen durch meinen Schädel. In mir krampft sich alles zusammen. Ich weiß, dass ich scheitern werde und blicke mich verstohlen um. „ Hoffentlich merkt keiner, was mit mir ist.“ Die Menschen gehen scheinbar unbeteiligt an mir vorbei. Ein weiterer Krampf schüttelt mich durch. Lange werde ich es nicht mehr schaffen. Vielleicht noch 3 bis 4 Krämpfe und es wird passieren. Kalter Schweiß bricht aus. Das Hemd klebt mir an mir. „ Das auch noch. Wieso muss mir das passieren, wieso muss es so kalt sein?“ Ich stütze mich gegen die Wand, entspannen kann ich mich nicht, das wäre fatal. 10 Minuten noch ,dann kommt der Bus. Zitternd führe ich die Zigarette zu meinem Mund. Ich merke, wie das Nikotin zu wirken beginnt und schweife mit meinen Gedanken kurz ab in die Vergangenheit, wie ich überhaupt in diese hoffnungslose Situation kommen konnte. Es begann alles normal, doch schon auf der Arbeit bemerkte ich etwas, was ich noch nie gespürt habe an meinem Arbeitsplatz. Der Druck stieg von Minute zu Minute. Ich erfasste mein Ziel und wollte einen perfekten Zeitpunkt abpassen. Ich begann langsam darauf zuzugehen, ich hielt die Türklinke schon in der Hand, spürte das kalte Metall auf meiner Handfläche, da passierte es:“ Hey, wir haben Besprechung. Komm mach schnell, dass kannste später noch machen, wir sind spät dran.“Als die Besprechung zu Ende war, dachte ich, dass ich endlich Erlösung finden würde, doch der Raum war zu. Ich begann fürchterlich zu zittern. Ich rechnete schnell im Kopf aus, dass ich ca. 30 Minuten bis nach Hause brauchen würde, dies müsste zu schaffen sein ,redete ich mir ein.Ich werde durch das Geräusch des haltenden Busses aus meinen Erinnerungen geweckt.Hastig suche ich ein paar Münzen zusammen und betrete den Bus. Stickige Luft schwebt durch den Bus, gemischt mit der Luft von nasser Kleidung, Schweiß, billigen Parfum und zu viel Kohlendioxid. Ich hoffe vergebens auf einen Sitzplatz. 5 Minuten noch, dann bin ich zu Hause und kann endlich Erlösung finden. Ich rufe mir immer und immer wieder die verbleibenden Haltestellen ins Gedächtnis, um mich von meinem Leiden abzulenken. 5 Haltestellen...4...3... „ Machen Sie mal Platz!“, sagt eine Oma und schlägt mit dem Krückstock gegen meine Brust. Der drauf folgende Krampf, ist so schmerzhaft, dass ich der Versuchung fast wiederstehen will, um mich von meiner Pein zu befreien. Ich halte mich an einer Stange fest und beiße die Zähne fest zusammen. „ Nächste Haltestelle: Friedensstraße“, die Worte kommen mir vor wie eine Gnade Gottes. Hastig rempele ich die Leute zu Seite und fange mir einige Tritte und Beschimpfungen ein. „Verstanden sie denn nicht meine Mission? Ich muss sie zu Ende bringen oder ich nehme sie mit!“
Am Haus angekommen ziehe ich hastig meine Schlüssel aus der Tasche und fingere am Bund herum. Schnell stecke ich den Schlüssel ins Schloss, renne die Treppe hinauf. Im Bad angekommen, renne ich hastig zur Toilette und dann lasse ich es einfach laufen und genieße die Erlösung. „Nanu, warum wird es denn feucht und so warm?“ Ich blicke herunter und merke, dass ich vergessen hatte die Hose zu öffnen. Ein nasser riesiger Kreis zeichnet sich ab und ich beginne zu weinen, alles war umsonst...