Josh Riley hatte einen langen Arbeitstag hinter sich gebracht. Er saß im Auto, hörte Radio und sang mit. Der Regen draußen wurde immer stärker. Gott sei Dank war der Highway um diese mitternächtliche Uhrzeit kaum befahren und die Lichter blendeten ihn nicht so stark. Plötzlich entdeckte er etwas weißes am Fahrbahnrand. Es schien einfach nur dazustehen und sich nicht zu rühren. Im Wind flatterte dieses Etwas oder war es vielleicht eine Jemand? Josh hielt neben dem weißen Etwas an. Tatsächlich, es war eine Person. Er kurbelte das Fenster herunter und sprach die Person an: „ Hey Kumpel, soll ich dich ein Stück mitnehmen? Du holst dir hier draußen noch de Tod!“. Die Gestalt bewegte sich, ohne ein Wort zu sagen. Sie öffnete die Tür und setzte sich in den Wagen. Josh Riley musterte die Person und erkannte an dem weißen, durch den Regen durchsichtig gewordenen Stoff, dass es eine junge Frau war. Er musste zweimal schwer Schlucken. „ Hi ich bin Josh und du bist?“, versuchte er eine Konversation herzustellen, während er wieder auf den Highway fuhr. „Ich bin Lee“, gab sie in einem asiatischen Tonfall von sich ohne Anstalten zu machen weiter zu reden. „Willst du meine Jacke haben, sie liegt auf dem Rücksitz. Kannst sie dir gerne nehmen, bei dem Regen ist es sicher sehr kalt draußen. Wie lange stehst du denn schon da?“, fragte er. Es kam keine Antwort. Josh versuchte das Gesicht zu erkennen, doch war es hinter einem Schleier nasser, schwarzer Haare verborgen.
Die Stimmung war auf seltsame Art und Weise gedrückt. „Von dem Mädchen ging etwas trauriges aus“, dachte Josh und fragte sie, wo sie hin wolle. „Fahren sie mich bitte in den Blackforrest, Sir.“ Sagte sie und blieb wieder stumm. „ Du kannst mich auch Josh nennen, wenn du magst. Was willst du denn in dem Wald?“, fragte er und versuchte einen freundlichen Ton zu treffen um das Mädchen aufzumuntern. Sie rührte sich nicht. „Seltsames Mädchen, wirklich.“, dachte er und bog Richtung Wald ab.
10 Minuten später waren sie angekommen. In der Zwischenzeit hatten sie nicht miteinander geredet. Er hatte seine missglückten Versuche einer Konversation herzustellen bald aufgegeben und dem Radio und dem Regen gelauscht. Das Mädchen bedankte sich und stieg aus. Josh ebenfalls: „Lee, soll ich dich nicht begleiten?“, rief er durch einen Sturzbach von Regen. Er hatte irgendwie das Gefühl Verantwortung für sie zu haben. Schließlich hatte er keine Frau oder Kinder für die er es hätte empfinden können. Lee ging jedoch ohne Regung in den Wald hinein. „Verdammt noch mal! Kann die denn wenigsten keine zwei Wörter zusammenbringen?!“, dachte Josh und lief durch den Regen hinter ihr her.
Nach weniger als einer Minute war sein Hemd durchnässt und er zitterte vor Kälte. Mittlerweile war er Lee gefolgt, immer in einem Abstand, dass sie ihn nicht sehen konnte, er sie aber schon.
Der Boden war aufgeweicht, in weiter Entfernung konnte er einen tosenden Bach hören, der alles mit sich riss, was ihm in den Weg kam. Lee ging und ging und es schien, als ob sie niemals mehr stehen bleiben würde. Ihr weißes Gewand schwebte dabei förmlich über den Waldboden.
Endlich kam sie an einem Haus an. Es war kein richtiges Haus, sondern eher ein Haus aus Papier, so wie in China.
„Wohnte sie wirklich hier? Warum steht mitten in einem Wald so ein Haus?“, dachte Josh und schritt näher an das Haus heran. Er hörte, wie die Tür zu viel und verschlossen wurde.
Die Wände waren dünn, dennoch gaben sie nichts aus dem Inneren Preis. Der Regen machte ein Lauschen unmöglich, deswegen zog er aus seiner Hosentasche ein Taschenmesser und er schnitt ein kleines Loch in die Wand und sah durch: Rot. Alles war rot. „ Lee war schon seltsam, aber jetzt das hier?“, dachte er und schritt um das Haus herum. Es war relativ klein, vielleicht 15 Quadratmeter groß. Er kam an die Rückwand und schnitt wieder ein kleines Loch in die Wand: Rot. „Das gibt’s doch nicht.“, murmelte er leise. Er ging zur anderen Wand, wieder alles rot. Schließlich reichte es ihm und er klopfte an die Tür:“ Lee, aufmachen, ich bin es Josh, du hast etwas in meinem Auto liegen gelassen. Keine Antwort. Er klopft wieder und wieder, es war vergebens.
Schließlich drehte er sich um und ging zu seinem Wagen. Er verlief sich ab und zu, doch schaffte er es nach einer gefühlten Stunde zu seinem Auto zu kommen.
Er stieg ein, blickte sich noch einmal um und fuhr davon. Unterwegs fiel ihm immer wieder dieses intensive Rot ein. Er versuchte sich abzulenken, doch das Rot kehrte wieder.
Müdigkeit überkam ihn und er fuhr auf einen Rastplatz und gönnte sich ein kurzes Nickerchen.Es dröhnte, eine Stimme tiefe Stimme rief:„ROT....ROT...ROT....LEE...ROT..LEE...Wald...ROT, ROT ,ROT!!!!“ Er schrak auf. Sein Gesicht war nass vom Schweiß. „Oh man, was für ein blöder Traum“, sagte er zu sich selbst. Er hatte gut zwei Stunden geschlafen und brauchte jetzt erst einmal einen starken Kaffee. In der Ferne konnte er eine kleine Tankstelle erkennen. Er stieg aus, „wenigstens hatte der Regen nachgelassen“, dachte er.
In der Tankstelle war es warm und es roch ein wenig nach frischen Brötchen und Kaffee. Einige Trucker standen um einen Tisch herum und unterhielten sich. Sie musterten John kurz, nickten ihm zu und redeten weiter. Josh bestellte eine Tasse Kaffee und ein belegtes Brötchen. Er hörte den Truckern zu und biss in sein Brötchen. Der Bissen blieb ihm im Halse stecken, als er hörte: „Ja der Blackforrest...“ Er starrte die Trucker an, als wären sie Geister. Einer sah zu ihm hin und fragte: „ Hey Kumpel, sag mal hast du gerade nen Geist gesehen, oder warum guckst du so?“ Ein dröhnendes Gelächter setzte von seinen Freunden ein.
„ Entschuldigung, sie haben über den Blackforrest geredet. Kennen sie ein Mädchen, dass dort wohnt?“, fragte er mit leicht zitternder Stimme. „ Ja, sie meinen das Mädchen mit den roten Augen?“
Josh ließ die Tasse fallen...