Alleine

Mitten in einem Wald stand ein massives Blockhaus. Der Wald selbst war nur noch eine Reliquie aus einer besseren Zeit, einer Zeit in der das Leben blühte und die Menschen ihren Träumen nachhingen.
Diese Zeit war vorbei, für immer und daran Schuld waren die Menschen selbst. Egoismus, die Suche nach Öl und Macht wurde ihnen schließlich zum Verhängnis. Niemand wollte sich zurückziehen, obwohl die Gefahren jedem bewusst waren.
Dann kam der Tag X , der Tag, der alles verändern sollte in dem Leben von Howard Browdy. Früher einmal war er beim FBI tätig gewesen, hatte Geld, Familie und den nötigen Einfluss auf die Menschen, um die Karriereleiter weiter hinaufzuklettern. Doch konnte der Einfluss seine Familie nicht retten.
Der Tag begann vielversprechend. Draußen schien die Sonne auf die Menschen hinab und veranlasste sie die Häuser zu verlassen und lieber den Tag zu genießen. Man vergaß an jenem Tag für einige Stunden die lauernde Gefahr und bemerkte erst viel zu spät, dass der Geruch des Todes sich verbreitete und überall wartete. Niemand schien den Nachrichten Aufmerksamkeit zu schenken, niemand sah sich veranlasst den Worten eines schwitzenden Moderators zu lauschen, als er in die Kamera schrie, dass die erste Bombe Philadelphia getroffen hatte- niemand wollte es wahrhaben.
Erst das Donnern ließ die Menschen aus ihrer Sorglosigkeit aufwachen und sie handeln- panisch.
Die ersten Menschenmassen flohen aus New York, LA oder Washington, doch niemand kam weit. Einige Stunden später war das Geschrei verebbt und nur noch die in den Asphalt eingebrannten Schatten erinnerten an die einstigen Bewohner der Städte, die mittlerweile nur noch Ruinen waren.
An diesem Tag X verabschiedete sich Browdy früh morgens von seiner Frau, fuhr in die Zentrale und witzelte erst noch kurz mit seinem Kollegen, bevor er sich an seinen Schreibtisch setzte und die Emails überprüfte. Meist war es belangloses Zeug, wie etwa, dass sich Bin Laden in New York befinden würde, eben das war die Menschen lesen wollten. An ihm lag es, dass nicht jeden Tag in der Presse stand, dass die Welt untergehen würde, zumal in dieser Zeit schon genug umfug in den Zeitungen stand.
Öl war knapp geworden und man musste abwarten was passieren würde. Er hielt nichts von den Gerüchten, dass die Regierungen dieser Welt wirklich falls nötig die Bomben zünden würden- warum sollten sie? Immerhin war ein halbes Jahrhundert vergangen seit der letzten Zündung einer solchen Bombe.
Als die Nachricht von Philadelphia eintraf wusste er nicht was er denken – oder fühlen sollte. Das einzige was noch existierte war die Angst. Die Hölle brach los, immer neue Informationen überfluteten das Büro, immer neue Einschläge wurden bekannt und immer schrecklicher wurde alles.
Irgendwann wusste wohl jeder, dass das Ende gekommen war und als sein Chef sagte, dass nun jeder sich retten sollte waren schon längst nicht mehr alle Mitarbeiter im Büro gewesen.
Das nächste an das er sich erinnerte war, als er seine Frau angerufen hatte und den Schrei, als sie sagte etwas würde gerade vom Himmel donnern. Es folgte ein lauter Knall, ein letzter hoffnungsloser Hilferuf, dann war Stille, Stille die sich über die Welt verbreitete und auch noch drei Jahre später anhielt.
Der Mensch hatte sich ausgerottet, nur ihn nicht, er war der letzte Überlebende der Menschheit und hing in einem Blockhaus fest.
Er versuchte so gut es geht einen Alltag zu gestalten, den er vor dem Tag X auch hatte. Morgens aufstehen, sich fertig machen, Luftschutzanzug anziehen hinausgehen und versuchen Nahrung zu finden. Nach Hause kommen essen, dann lesen, etwas trainieren und sich für die Nacht vorbereiten.
Es herrschte eine Monotonie, ein Stillstand, der sich wohl bis zu seinem Lebensende hinziehen sollte.
Als er gerade in ein Buch vertieft war polterte es. Es war wahrscheinlich der Generator, der wieder unruhig lief. Er legte die Lektüre weg, schritt zum Generator und besah ihn sich genauer. Nichts, er lief ruhig. Wahrscheinlich bekam er mittlerweile schon Halluzinationen. Er wäre nicht der Erste, der durch die Einsamkeit und so viel Tod einfach den Verstand verlieren würde. Früher hatte er immer gehofft, dass jemand vor der Tür stehen würde, doch die Radarbilder lieferten seit Jahren dasselbe Ergebnis. Es gab keinen Menschen außer ihn mehr auf dem Planeten, Die Strahlung hatte alles Leben aus den Menschen hinausgesaugt.
Schnell war der Vorfall vergessen und er widmete sich wieder dem Buch.
TOKK TOKK TOKK
Er sah nach rechts und begriff. Jemand klopfte an die Tür...