Dienstag:
Ich saß in meiner Zelle. Es war dunkel und roch muffig. Die kalte Feuchtigkeit ließ einen sofort zittern. Meine Arme und Beine waren festgebunden und ich hatte mich schon mit dem nackten Oberkörper an der Wand wund gerieben.   Ich hatte geschrieen, Stunden, vielleicht sogar Tage, als Antwort kam das stumme Schweigen der Wände um mich herum. Ich hatte Durst und Hunger, die Schlaflosigkeit hatte meinen Körper zudem geschwächt, sodass ich nur noch an der Wand lehnte ohne mich setzen zu können, da bei jeder Bewegung die strammen Seile mir in die Haut schnitten. Die Beine waren taub vom ständigen Stehen und verfiel ich mal in einen dämmrigen Zustand, fiel mein Oberkörper nach vorne und ich schrak wieder auf, da der Schmerz von den einschneidenden Seilen so stark war. Mein Mund war trocken und jedes Schlucken war, als ob Rasierklingen meinen Hals hinunter glitten. Jedes Atmen hörte sich an, als ob es der letzte Atemzug von mir wäre. Das bloße Rasseln des Atems im Takt durchschnitt nur die Stille um mich herum, ansonsten war ich alleine und alles war still, es war die Stille, bevor die Hölle losbrechen sollte.
 Ich konnte mir ausrechnen, dass ich beobachtet wurde, dass sie sich an meinem Leid ergötzten und nur darauf warteten, dass ich entweder den Verstand vollends verlieren würde oder einfach in eine Ohnmacht fallen würde, aus der ich wohl nie wieder erwachen würde.
Plötzlich tat sich was im Dunkeln, ein kleines flackerndes Licht bewegte sich auf mich zu. Es war klein, wurde aber immer größer und schneller. Nach Tagen der Dunkelheit brannten meine Augen von der Helligkeit, auch wenn sie noch so klein war. Ich kniff die Augen zusammen und hörte Schritte, die gemächlich auf mich zu kamen. Es musste also noch jemand in diesem Raum sein. Die Augen immer noch fest zusammengekniffen, sah ich dennoch ein rot, durch die fast transparenten Lider. Es brachte nichts, also öffnete ich die Augen und sah Feuer.
 Langsam füllte es den Raum aus und ich sah einige Ratten über den Boden rennen, die Seile und eine Gestalt in einem weißen Gewand. „ Dave, bereit deine Sünden dem Feuer zu gestehen?“ Dann stieg das Licht in die Höhe empor und sauste urplötzlich wieder herunter, genau auf mich. Vor meinen Augen flackerte das Feuer wild hin und her, so als ob es abwägen würde, wo es mich zuerst verbrennen wollte, dann plötzlich überlegte die Flamme nicht mehr, sondern zielte genau auf meine Brust und setzte sich in Bewegung.
Ich begann zu husten.
 Der Gestank des Qualmes und der Chemikalien stieg mir in die Nase und ich schrak auf. Hatten sie mich wieder in ihrer Gewalt? War ich wieder in der Zelle? Mein Kopf zuckte wild hin und her, nur um sicher zu gehen nicht wieder in der Zelle zu sein.
Dann begannen die Ereignisse der letzten Stunde sich in meinem Kopf zu wiederholen. Der Anruf, die Männer, die Mikrowelle und dann der Anfall. Ich wusste jetzt wieder was passiert war. Ich wollte aufstehen, doch ein Schwindelanfall überkam mich. Ein innerliches Zittern, als ob man nichts gegessen hätte fuhr durch meinen Körper. Dann wurde ich müde. Der Anfall hatte mich wohl einige Kraft gekostet und die verpestete Luft trug ihren Teil auch noch dazu bei, mich daran zu hindern aus der Wohnung zu kommen. Wenigstens lag ich auf dem Boden, denn dort war noch am meisten Sauerstoff.
Meine Hände tasteten umher, um irgendetwas zu finden, auf das ich mich stützen konnte. Warme Boden, mehr konnte ich nicht fühlen. Ich presste meine Handfläche auf den Boden und begann mich nach vorne zu ziehen. Jede Bewegung kostete mich ernorme Kraft und das schlimmste von allem war die Dunkelheit, die mich umgab. Es war, als ob man in eines dieser Restaurants ging, um einmal zu erleben, wie es für einen blinden war zu essen, doch lauerte auf diese Personen nicht schwarzer Qualm und ein Flammenmeer, sondern ein tolles Gericht.
Ich zog mich wieder voran, dann stieß mein Kopf gegen etwas hartes.
Eine Explosion begann in meinem Kopf, die von einem Würgeanfall begleitet wurde
. Ich merkte, wie meine Augen zu Tränen begannen. Ich hielt kurz inne, damit der Schmerz etwas abklingen konnte, dann begann ich mit meinen Handflächen die Oberfläche zu erkunden. Sie war kalt und ein wenig weich. Meine Finger fuhren immer und immer wieder über die glatte Oberfläche, bis sie an etwas anderes stießen. Also ging die Oberfläche nach innen hinein und wurde durch den anderen oder die anderen Gegenstände eingegrenzt, vermutlich auch an den Seiten.
Der Gegenstand war sehr rau und länglich in die Höhe gerichtet. Daneben befand sich der selbe Gegenstand noch einmal, beide waren kleiner als die weiche Oberfläche, also mussten sie darauf stehen.
Ich Trottel, natürlich standen sie darauf. Jetzt wusste ich, was es war. Die ganze Zeit habe ich mit meiner Hand ein Bücherregal abgetastet, jedenfalls das untere Ende des Regals. Ich griff nach einem Fach und zog mich langsam hoch. Meine Zähne waren dabei zusammengepresst und ich stöhnte laut auf, als ich es endlich geschafft hatte auf die Beine zu kommen. Erneut wurde mir schwindelig. Die Frage nach dem „Wo war ich überhaupt?“, kreiste in meinem Kopf umher, wie ein Adler auf der Suche nach Beute.
Es gab zwei Möglichkeiten, einmal gab es ein Regal in der Nähe von der Haustür, doch ich wusste nicht genau, ob sie offen war oder nicht, vielleicht war sie auch durch die Explosion von etwas versperrt worden, was für mich hieß, hier in den Flammen, umzukommen. Das andere Regal stand in der Nähe von der Küche, als fast direkt bei den Flammen, was auch nicht sonderlich verlockend war.
Ein erneuter Hustenanfall ließ die Überlegungen schnell verschwinden, denn mein ganzer Körper begann unter dem ständigen herauspressen von Luft zu vibrieren. Da ich immer noch geschwächt war, hielt ich mich an einem Regalfach fest. Dann knackte etwas, erst leise dann lauter. Ich hörte es nur zwischen den einzelnen Hustenphasen, doch dann merkte ich das Knacken, denn das Regal schien sich auf einem in meine Richtung zu bewegen. Ich war verwundert, die Chemikalien hatten meinen Verstand wohl schon sehr träge gemacht, denn erst, als es fast zu spät war, begriff ich es. Das Regal fiel.
 
 
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Montag:
Todd Stevens saß vor einem Mann, der mindestens so breit wie groß war. Er nannte sich Detective Miller. Sein grobschlächtiges Gesicht wies schon einige Jahre harter Arbeit auf und seine düstere Miene machte deutlich, dass er Todd nicht glaubte.
„Also Mr. Stevens, wie war das noch einmal genau?“ Sie bekamen einen Anruf. Der Anrufer wies sie an sofort nach Hause zu fahren, weil etwas mit ihrer Familie war und als sie ankamen hing ihre Frau und ihre Kinder jeweils an einem Strick von der Decke?“
„Ja, genau. Ich kam nach Hause, Andrea und die Kinder...“, seine Stimme versagte und ein heftiger Schauer durchfuhr seinen Körper. Er konnte es immer noch nicht fassen, dass seine Familie ermordet wurde. Er war mit ihr acht Jahre verheiratet gewesen, sie hatten immer alles zusammen durchgestanden. Ihr Lächeln am Morgen, wenn er zur Arbeit fuhr und wenn er abends nach Hause kam und sie am Herd stand und das Abendessen kochte. Seine Kinder, die immer freudig und begeistert waren, wenn er ihnen etwas mitbrachte. „Welche Hand?“, sagte er immer und John und Kim standen vor ihm und sahen ihn mit erwartungsvollen Gesichtern an. „Links!“, kam es immer von Kim und „Rechts!“, kam es immer von John. Natürlich hatte er in jeder Hand etwas und immer musste er lachen, weil beide dann sogleich das Spielzeug oder die Schokolade auspackten damit spielten oder aßen und immer riefen „ Dad, du bist der Beste von allen!“.
„Mr. Stevens, warum glauben Sie, dass es Mord war. Für mich sieht es so aus, als ob alles glatter Selbstmord war. Typischer Fall von Depressionen würde ich sagen.“, versuchte Miller in einem freundlichen Tonfall zu sagen und riss Todd aus der Erinnerung.
„ Das habe ich ihnen doch erzählt, der Anruf!“ Jemand hat mich zu Hause angerufen und gesagt, dass es eine Warnung sei.“, sagte er aufgebracht und hämmerte seine Faust auf den kalten Eisentisch, sodass der Becher mit dem kalten Kaffee zu Boden fiel und sich der braune Inhalt über den neutralen und sterilen Boden ergoss . Miller verzog das Gesicht, wie als ob er in eine saure Zitrone gebissen hätte. „Nun gut, Mr. Stevens und wer war der Anrufer
 „McCoi war es! Es war eine Warnung an mich. Ich soll...“ Sie sollen was nicht erzählen?“, sagte Miller und schob seinen wanztigen Körper in Richtung von Todd. „ Ich kann... . Ich darf nicht, sonst passiert...“ sagte Todd stockend und ihm fiel ein, dass seine Familie bereits tot war, der Gedanke an seine Familie ließ der plötzlichen Wut freien lauf. Er sah Miller an und blickte in die nichtssagenden Augen. „Also gut, McCoi...“, wollte er ansetzen doch genau in diesem Moment krachte die Tür hinter ihm auf und eine Gestalt mit weißer Löwenmähne und einem von Falten zerfurchten Gesicht stand vor beiden. „ Guten Abend die Herren“, sagte er und blickte sich misstrauisch im Raum um. „Wer sind Sie denn?“, fragte Miller mit dröhnender Stimme, wie als ob gerade jemand in sein Jagdrevier hineinspaziert wäre. „Ich bin Adam Grisham und Sie sind?“, fragte er in einem kühlen Tonfall und sah Miller direkt an. „ Toll für Sie Herr Grisham, aber was wollen Sie hier? Ich bin gerade dabei mich mit Mr. Stevens über seine Familie zu unterhalten.“ Bei dem Wort Familie zuckte Todd zusammen und Grishams Augen begannen düster zu funkeln. „ Ich habe das mit Todds Familie gehört und es tut mir wirklich sehr Leid. Ich bin nur hier, um Todd zu schützen, ich bin sein Anwalt.“ 
Stille, das gesagte musste sich erst einmal in das Hirn der Beteiligten vorkämpfen. „ Sein Anwalt?“, fragte Miller erstaunt? „Anwalt, sagte Todd gleichzeitig mit Miller und sah Grisham mit demselben fragenden Ausdruck an.“ Ja, sein und ihr Anwalt. Soweit mir bekannt ist, hat Herr Stevens keinen.“, sagte er und eine Aura der Macht ging plötzlich von ihm aus und schien den Raum damit zu fluten.
 Todd sah ihn unsicher an. Was sollte das von Grisham? Er wusste, dass dieser früher Jura studiert hatte, aber er war schon lange nicht mehr darin tätig. Er hatte sich doch ein Imperium aufgebaut und mittlerweile war er doch mit McCoi verbündet. Die Erkenntnis bohrte sich durch seinen ganzen Körper. Natürlich Grisham und McCoi. McCoi musste ja sicher sein, dass er die Warnung bekam, aber nicht angeklagt oder wirklich verdächtigt wurde. Er musste ja davon ausgehen, dass Todd sein Geheimnis, seinen Aufenthaltsort preisgab, sobald er merkte, dass er nichts mehr verlieren konnte. Alles sah nach Selbstmord aus, Todd hatte Miller etwas von dem Anruf gesagt, was die Selbstmordtheorie wiederlegen würde und jetzt kam Grisham und tat so, als ob er Todd da schon herausboxen würde. Der Plan war schlicht genial. McCoi lässt seine Familie umbringen, schickt Grisham und die Sache ist gegessen.
 Er suchte Millers Blick, doch dieser schien so überwältigt davon zu sein, dass jemand in sein Revier, das Verhörzimmer, kommt und ihn einfach vor vollendete Tatsachen stellt. Eine erneute Woge der Wut überkam Todd und er presste seine Fingerknöchel zusammen, bis sie weiß wurden. Das konnten sie nicht mir ihm machen. Er war nicht der Idiot für die beiden. Was sollte er aber tun? Miller jetzt vor Grisham sagen, was er wusste? Dann könnte er sich gleich zu seiner Frau und seinen Kindern hängen.
„Also Mr.?“, fragte Grisham, „Miller“ vollendete der Detective den Satz. „Ich werde mich mit meinem Mandaten beraten, ich gehe mal davon aus, das alle Fragen geklärt sind?“ Miller sah Grisham an und begann dann loszupoltern: „ Sagen Sie mal, Nein, nichts ist hier geklärt, der geht erst, wenn ich das sage!“ Grisham, der schon im Begriff war herüber zu Todd zu gehen, um mit ihm dann den Raum zu verlassen, schaute an sich herunter und wischte einige Speicheltropfen von seinem Mantel ab. „Sicher Mr. Miller, jedoch werden Sie sicher nichts dagegen haben, wenn ich dem Verhör beiwohne, oder ?“, sagte er ruhig, doch die Kälte in seiner Stimme war deutlich herauszuhören. „Nein, können Sie gerne machen.“
Miller sammelte sich wieder, beobachtete, wie sich Grisham seinen Stuhl schnappte und sich neben Todd setzte. „Also, Mr. Stevens, was war mit McCoi?“ Grisham antwortete für Todd, ich dachte mir, dass der Name McCoi fallen wird. Ich habe es schon überprüft und die Beweise für seine Unschuld einem Kollegen von ihnen gegeben. McCoi ist also aus der Sache raus.“ Miller konnte es nicht fassen. Woher sollte der aufgeblasene Anzug denn wissen, dass McCoi’s Name fallen würde? „ Sagen Sie mal Greisham, woher wissen Sie von der Sache mit McCoi?“, fragte er und wieder trafen einige Speichelflecken Grisham. „Mr. Miller, ich heiße Grisham und nicht Greisham. Hätte ich einen anderen Namen gewollt, dann hätte ich mir einen anderen Namen zugelegt. Im übrigen, bin ich über ziemlich viele Dinge informiert, auch über das Gerücht mit McCoi und dem Anruf. Sehen Sie sich meine Beweise an, sie werden sehen, dass McCoi nicht angerufen haben kann. Er war zu der Zeit beschäftigt und konnte somit nicht anrufen. „Moment“, sagte Miller und stapfte raus, um sich die Beweise anzusehen.
„Todd, sagen Sie nichts unbedachtes, Sie schweben in größerer Gefahr, als ihnen Bewusst ist. Mit ihrer Familie, das ist zwar tragisch, es gibt aber sogar Beweise, die Sie als Täter darstellen, also sagen Sie es war ein Unfall und Sie kommen aus dieser Sache heraus.“, sagte Grisham in einem Flüsterton, der aber so laut in seinen Ohren nachhallte, als ob gerade ein Bombe losgegangen wäre..
Todd begriff, entweder er spielte das Spiel mit. Oder er würde für den Rest seines Lebens hinter Gittern versauern. An Grisham und McCoi konnte er sich ja auch noch später rächen.“
Miller kam herein, sein Gesicht war kreidebleich. „Gehen Sie, Sie sind entlassen.“
Grisham lächelte kurz, verfiel dann aber wieder in seinen düsteren Gesichtsausdruck. „Danke, dass wollte ich hören.“, sagte Grisham, schob Todd vor sich her und ging mit ihm in Richtung Ausgang.
Als beide vor dem Revier standen, drehte sich Grisham blitzartig um, packte Todd am Kragen und sagte in einer zischenden, kalt wütenden Stimme „ Das ging ja noch einmal gut, Todd. Das nächste Mal erwarte ich sofortige Zusammenarbeit, sonst tauchen andere Beweise auf, Beweise gegen Sie, haben wir uns da verstanden?“
Dann drehte er sich um, wünschte ihm noch einen schönen Abend, wobei der Sarkasmus kaum zu überhören war und ging die Straße entlang.
 Mr. Grisham, welche Beweise waren das, die McCoi von aller Last befreien?“, rief er Grisham hinterher, doch dieser antwortete nicht, sondern bog um die nächste Ecke um und war verschwunden. Todd setzte sich auf die Stufen, was sollte er machen? Er vergrub sein Gesicht in seine Hände und begann das erste Mal seit langer Zeit zu weinen.
Miller saß in seinem Stuhl und sah sich die Fotos genauer an. Das erste wurde genau zur Tatzeit genau zu der Tatzeit. McCoi stand in einer weißen Kutte vor einigen Dutzend Menschen und hielt die Arme weit von sich ausgestreckt. Das zweite Foto war wesentlich interessanter. Ebenfalls genau zur Tatzeit. Darauf zu sehen war ein großer, schlaksiger Mann, mit langen braunen Haaren, wie er eine Frau an der Haustür gerade ein Tüte über das Gesicht zog. Die Frau, war die von Todd Stevens gewesen, denn das rot- geblümte Kleid hatte sie auch an, als sie von der Decke hin. Mit Edding war in die obere linke Ecke geschrieben: Dave Johnson. Neben dem Foto lag noch ein Artikel bei, der McCoi und seine Vereinigung als Sekte bezeichnete. Es war ein reißerischer Artikel gewesen.
Miller legte das Foto weg, griff zum Hörer und rief einen Kollegen an. „ Sam, hier ist Miller, ich brauche eine Akte über Dave Johnson und das Foto von ihm, schicken sie es raus, wir müssen den Kerl bekommen.“, dann legte er auf und nahm sich ein Sandwich und biss zufrieden mit sich hinein. Wer das Foto gemacht hat war ihm egal, Hauptsache er hatte einen Verdächtigen. Heutzutage ging es nicht mehr darum den richtigen, sondern einen Verdächtigen festzunehmen, damit die Öffentlichkeit schnell zufrieden war. In Galen starben täglich Menschen, viele durch Mord und keinem war das Bewusst. Sollten sie wirklich immer den richtigen bekommen? Ging es nicht viel mehr darum, dass die Hinterbliebenen Trost fanden in dem Glauben, dass sie jemanden erwischt hatten? Zudem sah man auf dem Bild die Tat, also war er kein Verdächtiger, sondern der Täter, auf frischer Tat geknipst. Er würde Dave Johnson noch bekommen und dann Gnade ihm Gott.
 
 
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Montag:
Howard Lester war Hotelportier mit Leib und Seele, doch was ihm an diesem Montagabend passierte konnte er nicht begreifen. Es schien, als ob alles so normal laufen würde ,wie bisher. Die reichen Gäste kamen und gingen, steckten ihm Trinkgeld zu und er belohnte sie dafür mit einem Lächeln und dem hinterher tragen von Koffern oder anderen Gegenständen.
Als er dabei war, die Koffer von den Jeffersons auf den Wagen zu stellen, sah er die Frau. Ihr Gesicht wies einige blutigen Stellen auf, ihre Kleidung hatte einige rote Stellen neben den dunkel braun verfärbten Flecken. Ein Junkie. Es war ihm sofort klar, dass es sich um einen Junkie handeln musste. Er beobachtete die Frau weiter. Sie redete mit Jeffrey, dem Mann, der schon am Eingang entschied, ob jemand hineinkam oder nicht. Zu seiner Verwunderung kam die Frau hinein. Was mochte sie gesagt haben, dass sie so einfach hineinkam?
Die Schwingtür drehte sich und die humpelnde Frau ging langsam herüber zur Rezeption. Sie redete kurz auf dem Mann hinter der Rezeption ein und bekam einen Schlüssel, Mein Gott, war sollte das alles? Wieso bekamen jetzt schon Junkies Schlüssel in dem teuersten Hotel von Galen?, fragte er sich und beobachtete das Geschehen was sich vor ihm abspielte weiter.
Die Frau wandte sich von der Rezeption ab und kam fast genau auf Howard zu. Nicht nur er, sondern eine Vielzahl der Gäste in der Lobby beobachteten die Frau. Die Betagteren taten ihr Missfallen bei ihren Partnern kund, die nur gleichgültig nickten und sich wieder ihrem Drink zuwandten oder bejahend an ihrer Zigarren zogen.
Als die Frau an ihm vorbei humpelte, hielt er sie am Ärmel fest und fragte sie:“ Miss, kann ich ihnen behilflich sein?“ Er jetzt sah er die Schrammen und die Blutergüsse in ihrem Gesicht näher. Sie sah aus, als ob sie misshandelt wurde. Bestimmt eine drogensüchtige Nutte, aber etwas passte nicht zu diesem Eindruck. Die Frau sah ihn einen Moment prüfend an und sagte dann etwas gurgelnd, als ob sie etwas im Mund hätte:“ Eine Flasche Whiskey und viel Eis, das wäre es für das Erste.“ Auf welchen Namen geht das?, fragte er betont höflich. „Miss Ford“, war ihre knappe Antwort. „ Haben Sie etwas dagegen, wenn ich Sie zu ihrem Zimmer begleite, man verläuft sich hier sehr schnell.“, sagte er und konnte einen neugierigen Tonfall nicht ganz unterdrücken. „Na kommen Sie.“, sagte Sue. Sie hatte nicht mehr die Kraft den aufdringlichen Pagen wegzuschicken und stieg in eine Fahrstuhlkabine. Howard Lester folgte ihr, fragte kurz nach der Zimmernummer und tippte dann auf einen Knopf, der sie in das Stockwerk des Zimmers brachte.
 
 
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Montag:
Das Zimmer war riesig. Eine leichte Abendbriese wehte die weißen Vorhänge in das große Wohnzimmer hinein und verdeckten somit einen Teil der champagnerfarbenen Tapete und ließen das gesamte Zimmer in einem freundlichen Glanz erstrahlen. „So leben also die Schönen und die Reichen“, sagte sie leise zu sich selbst. Der Page nutzte die Gelegenheit, um ihr von der Geschichte des Zimmers zu erzählen. Dies hier ist unser teuerstes Zimmer. Sie haben Glück, dass es im Moment frei ist. Stars, wie Camoron Diaz und auch Angelina Jol... Ein Blick von ihr genügte, damit er ein dümmliches Lächeln aufsetzte und verstummte. „Sagen Sie, könnten sie mir noch etwas zu Essen aufs Zimmer bringen lassen?“, sagte sie und sah ihn dabei kurz an. „Natürlich Miss Ford.“, sage er in diesem unterwürfigen Tonfall, mit denen die Hotelangestellten versuchen noch mehr Trinkgeld zu bekommen. Sie ging weiter im Zimmer umher und bestaunte den dunkelbraunen Mahagoni Schreibtisch und die teuren in Gold gefassten Kugelschreiber, die auf der Vorderseite das Emblem des Hotels trugen. Das Licht brach sich auf der spiegelnden Oberfläche und ihr Blick wanderte hoch auf den riesigen Kronleuchter, der mit Kristallen verziert war.
Das Schlafzimmer bestand aus einem großen Himmelbett mit einem cremefarbenen, weißen Vorhang an den Seiten. Sie ließ sich kurz auf die weiche Matratze sinken und schloss kurz die Augen, um den Moment voller Entspannung zu genießen. „Miss?“ Ihre Augen öffneten sich. “Miss dürfte ich ihnen eine Frage stellen?”, fragte der Page vorsichtig. Sie nickte nur stumm und genoss weiter das weiche Bett. „Miss, wie kommt es, dass sie so mitgenommen aussehen?“, fragte er in einem höflichen aber dennoch etwas misstrauischen Tonfall, als ob er ihr nicht glauben würde so viel Geld zu haben, um sich das Zimmer leisten zu können.
„Ich hatte einen schweren Tag, wie wäre es aber, wenn sie das Essen und den Whiskey holen würden? Ich will mich jetzt entspannen.“ Der Page verstand, verbeugte sich kurz und dann verließ er das Zimmer.
 Miss Ford alias Sue atmete aus. Tatsächlich hatte es so geklappt, wie die Stimme es auf dem Ipod versprochen hatte.
Sue öffnete eine Tür und fand endlich wonach sie so sehnsüchtig suchte, das Badezimmer.
Eine weitläufige Treppe führte hinein in den Whirlpool, der mit weißem Marmor und goldenen Wasserhähnen ausgestattet war. Sue drückte einen Knopf auf dem „Schaumbad“ stand und zog sich langsam aus. Die dreckige Kleidung warf sie ohne große Umsicht in eine Ecke und ging dann die Treppe herunter.
Das warme Wasser tat ihr gut und sie merkte, wie die ganze Last für einige Momente von ihren Schultern genommen wurde. Sie schloss die Augen und dachte an das, was heute geschehen war. Dave wurde gefeuert, ihr Auto flog in die Luft und dann wurde sie zusammengeschlagen. Am allermeisten dachte sie über Dave nach. Was er wohl im Moment machte? Sollte sie ihn nicht vielleicht anrufen und sich bei ihm erkundigen? Die Stimme hatte aber gesagt, sie solle erst Morgen anrufen und nicht früher. Die Stimme, wer mochte wohl dahinterstecken? Konnte sie ihr vertrauen? Es hatte ja eigentlich alles gut geklappt, bis auf den Zwischenfall mit dem Mp3player. Wie ein Stromstoß kam ihr die Erkenntnis. Die Stimme musste den Mann geschickt haben. Wer sonst konnte davon wissen, was auf dem Mp3player war?
Sie dachte an die Stunden davor, wie der Mann auf sie eingetreten hatte. Wie in einem Rausch hatte er sie verprügelt. Jeder Schlag, jeder Tritt hatte sie der erlösenden Bewusstlosigkeit näher kommen lassen, doch blieb ihr es versagt. Als sie gerade im Begriff war die wirkliche Welt zu verlassen, hatte der Mann in der weißen Kutte dem anderen Mann gesagt, dass er aufhören sollte. Er ließ von ihr ab und beide verschwanden dann und ließen sie auf dem nassen Asphalt zurück. Sie wusste nicht, wie lange sie dort gelegen hatte, bis sie die Kraft aufgebracht hatte sich aufzurichten. Sie wollte zurück in ihre Wohnung und war schon einige Meter gehumpelt, bis ihr einfiel, dass die Stimme etwas von dem Hotel gesagt hatte. Als sie es schließlich geschafft hatte ein Taxi zu ergattern, wurde ihr erst Bewusst, wie viel Glück sie hatte, dass der Kerl ihr nicht noch mehr angetan hatte.
Sie ließ sich tiefer in das warme Wasser gleiten und lehnte ihren Kopf auf ein Handtuch, dass auf dem Beckenrand lag. Ihr schwirrte der Kopf vor den ganzen Fragen, morgen würde sie wahrscheinlich einige Antworten bekommen, da war sie sicher.
Dann übermannte sie der Schlaf.
 
 
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Montagnacht:
 
Eine weiße Kutte ging energisch durch das Gewölbe unter „Der schrillen Glocke“ entlang.
Wer war diese Stimme? Dave McCoi tobte innerlich. Als er der Frau den Player abgenommen hatte und hörte, was die Stimme alles preisgab, überkam ihn das erste Mal seit langer Zeit Angst. Jemand wusste wohl von seinen gesamten Plänen. Stevens konnte es nicht sein, ihn hatte er erst mal ruhig gestellt. Dave und Sue waren es auch nicht. Er wusste wo beide waren und ihre Handys hatten sie nur am Morgen benutzt, um sich gegenseitig anzurufen. Wer also konnte die Stimme sein? Jemand aus dem Inneren seiner Organisation spielte wohl ein doppeltes Spiel mit ihm. Er musste ihm eine Falle stellen.
Die Idee kam ihm mitten, als er gerade dabei war in der großen Halle zu essen. Es war ein riesiges Gewölbe, die Decke wurde durch breite Steinsäulen gestützt. In der Mitte der Halle befand sich ein Becken, dass das Wasser von der Decke abfing. Unter seinen „Schafen“ wurde es das Reinigungsbecken genannt. Darin kam jeder, der sich als loyaler Gefolgsmann herausgestellt hatte. Was sie alle nicht wussten, war, dass er jedem, der das Becken betrat vorher eine Sinneserweiternde Droge spritzt, damit das Wunder der Reinigung auch wirklich funktionierte. Solange ihm seine Schäfchen gehorchte konnte ihm eigentlich nichts passieren. Auf seinen Befehl hin würden sie jeden töten, der sich ihm in den Weg stellen sollte. Auch die Stimme würde bald die Erfahrung machen, wozu er in der Lage war und wenn er erst einmal wusste, wer sich hinter dem Verzerrer versteckte, würde er ihn auf eine lange Zeitreise schicken, so wie Dave.
Dave, ja er leidet. Er hatte sich damals wohl das falsche Objekt für seine Recherchen ausgesucht. Noch heute, einige Monate später fand er es belustigend, wie Dave damals geschaut hatte, als er ihm preisgab, dass er seine Identität kannte. Die Panik und die Furcht in seinem Blick war genau das, was er brauchte, um wieder zu Kräften zu kommen. Angst war etwas, woraus er seine Kraft zog und nun war es an der Zeit seine Kräfte zu tanken. Er nahm ein Handy aus seiner Tasche und rief Bob an:“ Bob ich bin es. Schicke mir mal bitte einen der „Niederen“ vorbei“. Dann legte er auf. Die Niederen waren meist die Leute, die körperliche oder geistige Behinderungen hatten und in seiner Organisation darauf hofften neu auferstehen zu können. Nun würde wieder jemand auferstehen und zwar nur durch die „Spritze des Schmerzes.“ Die Spritze beinhaltete normale Reinigungsmittel. Aber die Menschen wollten eine Läuterung mit Schmerzen bevor sie starben, damit sie sich auch sicher sein konnten, dass sie für all ihre Sünden gebüßt hatten.
Ein Mann im Rollstuhl wurde hereingeschoben. McCoi erhob sich und streckte die Arme von sich, als wollte er ihn umarmen. „ Paul, wie schön, dass du heute bei uns bist. Dein großer Tag ist gekommen. Du wirst heute gereinigt und danach wirst du auferstehen und wieder normal gehen können.“ Paul sah ihn mit Tränen in den Augen an. Er konnte nicht fassen, dass er bald wieder gehen konnte. Er war McCoi so dankbar dafür, dass er sich seiner angenommen hatte. „Holt die Spritze des Schmerzes!“, rief McCoi feierlich und setzte sich auf seinen Thron, der am Ende des langen Saals platziert war.
Paul sah die Nadel in seinen Arm stechen. Er spürte sie kaum, die Freude in ihm überwog alles. Plötzlich zwickte etwas an seinem rechten Unterarm, dann breitete es sich nach oben und nach unten hinweg aus. Es war überall gleichzeitig. Es juckte so heftig und fing an zu Schmerzen.
Ein Krampf jagte den nächsten, der Schmerz übertraf alles. Wild zuckend fiel er aus seinem Rollstuhl und wand sich auf dem Boden. Ein letzter verzweifelter Schrei kam über seine Lippen, dann war der Schmerz verschwunden und ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen, denn nun würde er bald wieder auferstehen.
McCoi beobachtete, wie sich der Mann auf dem Boden wand und dachte an Dave, ja bald würde er hier vor ihm liegen, ihn anflehen, dass er Schmerzen leiden durfte. Morgen war es an der Zeit ihn weiter den Montag erleben zu lassen, denn wozu hatte man denn ein so tolles Geschenk bekommen, wenn man es nicht nutzte?
 
 
 
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Dienstag:
Ich spürte einen unheimlichen Druck auf meinem Rücken, doch ich gab nicht auf. Jeder Muskel in meinem Körper war angespannt und nur ein Gedanke durchfuhr mein Hirn: „Überleben!“
Langsam aber sicher verließen mich meine Kräfte. Die Schwindelanfälle kamen wieder. Mein Hemd war vom Schweiß durchnässt und klebte an meinem Oberkörper. Lange würde ich es nicht mehr in der Hitze und den giftigen Dämpfen aushalten können. Vielleicht noch zwei oder drei Minuten, dann würde ich wieder in die Schwärze versinken und nie wieder aus ihr aufwachen.
 Ich sah nach links und was ich dort sah steigerte meine Angst noch mehr. Das Feuer breitete sich langsam zum Gasherd aus. Wenn der Herd in Flammen aufging, dann würde die Explosion meine gesamte Wohnung in Stücke reißen. Schnell blickte ich nach Rechts. Die Haustür war mittlerweile durch den anderen Schrank versperrt. Somit blieben mir kaum mehr Fluchtmöglichkeiten. Wenigstens konnte ich im Moment etwas sehen. Kurz überlegte ich warum, dann fiel es mir stokkatisch ein, zu mehr schien mein Hirn nicht mehr in der Lage zu sein. Anderer Platz, andere Sicht. Der Rauch wurde wahrscheinlich von dem Ventilator am Rande der Küchentür weggeweht.
Neues Adrenalin pochte durch meinen Körper. Ein letztes verzweifeltes Mal sammelte ich all meine Kräfte und spannte meinen Körper an. Dann drückte ich meinen Körper nach oben, mir
wurde schwarz vor Augen, doch ich musste weiter machen. Einfach immer weiter drücken und ich würde frei kommen.
An diesen naiven Gedanken klammerte ich mich und dann knackte es plötzlich und ich fiel zurück auf den Boden. Ich versuchte mich herumzudrehen doch es klappte nicht, aber der Druck schien etwas abgenommen zu haben. Noch einmal hievte ich meinen Körper nach oben, merkte, wie einige Bücher neben mir auf den Boden fielen und dann knackte es wieder, lauter. Ich begann wie in eine Art Liegestütz zu verfallen. Körper absenken und dann mit aller Kraft nach oben drücken. Immer wieder ertönte dieses Knacken und ich hoffte, dass es mir helfen würde. Wieder drückte ich meinen Körper nach oben, hoffte, dass ich mich nicht der verlockende Schwärze der Ohnmacht hingeben würde. Die Gedanken kreisten nur noch, ich bekam meine Bewegungen nur noch am Rande mit, die Realität begann wieder zu verschwinden und ich war wieder in meiner Zelle, sah die Flammen, sie kamen auf mich zu, doch dann hielten sie an, mein Körper war von den Fesseln befreit. Ich begriff nicht, was sollte das? Ich hatte mich nie von den Fesseln befreien können, nie war ich den Flammen entkommen. Dann verstand ich und kämpfte mich aus der Erinnerung wieder in die Realität zurück. Ich hatte es geschafft.
 Ich begriff zunächst nicht, was passiert war, doch dann sah ich es. Ich hatte das Holz irgendwie in der Mitte durchgebrochen und konnte meine Beine somit wieder frei bewegen.
Nach einiger Zeit und mehreren Versuchen kam ich zum schwankend zum stehen. Durch den Schleier von Rauch, konnte ich sehen wie schlimm es um meine Wohnung stand.
Mein großer Schrank mit CDs und Büchern war vor die Haustür gekippt und hatte die Tür verkeilt. Die Küche brannte lichterloh und das Feuer war beängstigend nahe an den Gasherd gekommen. Ich rannte ins Bad um mich dort durch das Fenster zu zwängen. Jedes Mal musste ich aufpassen nicht direkt in die Flammen zu laufen, die sich mittlerweile ausgebreitet hatten.
Ich sperrte es auf und sah nach unten.
Super, dass ich damals extra eine Wohnung ganz oben verlangt hatte, dachte ich mir und ging missmutig von dem Fenster weg. Das einzige Fenster woraus ich springen konnte war in der Küche gewesen, denn darunter waren Müllcontainer mit Pappe und anderen Säcken voller Müll. Das Wohnzimmerfenster lag direkt über der Straße, somit blieb mir wohl keine andere Wahl.
Ich dachte fieberhaft nach. Gab es nicht noch einen anderen Weg aus dieser Hölle? Wenn ich durch das Fenster in der Küche springen wollte, musste ich erst einmal durch die Flammen kommen und zum anderen, wer garantierte, dass die Container nicht verschlossen waren und ich direkt auf die metallenen Deckel knallte ?
Ich rannte zur Tür und versuchte den Schrank zu bewegen, vergebens. Die Anstrengung meine Beine frei zu bekommen war schon sehr groß gewesen und mit den Dämpfen in meiner Wohnung konnte ich kaum mehr mich selbst irgendwohin verfrachten. Ein heftiger Hustenanfall überkam mich. Es war nun Zeit zu entscheiden, wie ich sterben wollte, entweder hier in dem Feuer oder ich würde auf einem Containerdeckel zertrümmern. Ich fasste einen Entschluss. Lieber würde ich zertrümmert werden, als es wenigstens nicht versucht zu haben.
Ich sah in die Küche, spannte jeden Muskel, sammelte alle Kräfte, nahm Anlauf und rannte los.
Eine Feuerwand, die so eine Hitze hatte, dass ich dachte, ich würde schon im laufen verbrennen versperrte mir den Weg. Ich rannte einfach weiter.
Ich war in der Küche, Schweiß lief mir über das Gesicht und es roch leicht nach verkokelten Haar und Haut, aber ich war mir nicht sicher, denn der Gestank durch die chemischen Dämpfe war hier noch viel stärker. Immer noch im Rennen sah ich, dass das Küchenfenster verschlossen war. Ich nahm meine Arme vors Gesicht und machte mich auf den Aufprall gefasst.
Das erste was ich spürte war die plötzliche Kälte, dann Hitze und dann sah ich nach unten konnte aber nicht erkennen, ob die Container zu, oder offen waren. Ich wusste nur eines, nämlich, dass ich fiel und ich sollte tief fallen.
 
 
 
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Dienstag:
Draußen regnete es. Die Tropfen klatschten auf die Scheiben des schwarzen Jeeps. Der Mann im Inneren starrte mittlerweile über eine Stunde auf das hohe Wohnhaus ohne die geringste Regung.
Die Passanten, die an dem Auto vorbeiliefen konnten nicht sehen, dass der Glatzkopf unter seiner Sonnenbrille auf ein Fenster blickte, aus dem in dünnen Fäden Qualm strömte.
Der Glatzkopf war ein Profi, schließlich hatte er mehr Morde begangen, als andere Menschen je zur Arbeit gegangen waren. Seine Divise lautete immer: „Opfer finden, ausschalten und gehen, ohne die geringste Spur zu hinterlassen.“ Auch diesmal hatte es nach einem Unfall ausgesehen.
Er hatte das Haus gestern Stunden beobachtet, gesehen, wie der Mann wegfuhr und seine Frau, gemeinsam mit den Kindern alleine zurückgelassen hatte. Schließlich, als er sich sicher war, dass die Hausfrauen beim Einkaufen und die Kinder in der Schule, die Männer bei der Arbeit waren, hatte er auf den Beifahrersitz gegriffen, sich die Tüte geschnappt und war zur Haustür geschlendert.
Hätte ihn jemand beobachtet, dann hätte er nur einen Glatzkopf in einem schwarzen Anzug gesehen. Die perfekte Tarnung, er sah aus wie ein Vertreter, ein Vertreter für den Tod.
Die Frau hatte die Tür aufgemacht, gefragt, was er wollte. Zu mehr kam sie nicht mehr. Nachdem diese Worte ihr über die Lippen kamen, hatte sie auch schon die Plastiktüte über den Kopf gehabt und wurde in ihr eigenes Haus bugsiert.
Dann war alles schnell gegangen. Die Kinder hatte er ebenfalls mit einer Tüte über dem Kopf ausgeschaltet. Die Seile hatte aus dem Keller geholt und dann um die Deckenbalken gebunden. Zuerst hatte er die Frau genommen, die Schlinge um ihren Kopf gezogen und dann das andere Ende des Strickes gepackt und sie hochgezogen, bis mit dem Kopf an einen Balken stieß. Dann ließ er das Seil für kurze Zeit los und packte es wieder. Der Genick der Frau wurde durch das plötzliche Stoppen gebrochen.
 Schließlich wusste er, was der Gerichtsmediziner erwartete. Er suchte nach einem gebrochenen Genick oder wenigstens nach Anzeichen dafür, dass die Frau sich das Leben genommen hatte. Er wollte sicher gehen, falls der Plan von McCoi nicht klappte und er diesen Dave Johnson nicht belasten konnte. Es sah nach Selbstmord aus und so war es am Besten. Klappte das mit Johnson, so könnte die Polizei sich selbst einen Reim daraus machen, wie er die Frau ermordet hatte.
Die Kinder waren schneller eliminiert. Er zog danach sein Skalpell heraus, ging zu jeder der Leichen und schnitt ganz zart ein kleines X in ihre linke Hand. Es würde später wie ein leichter Kratzer aussehen.
Er verstand sich als Künstler und jeder Künstler musste doch sein Kunstwerk signieren und seine Signatur war das X auf der linken Handinnenfläche.
All dies war einen Tag her und nun hatte er einen neuen Auftrag. Morden musste er auch heute, er hatte keinen Zweifel daran, dass sein nächstes Opfer irgendwie entkommen würde, aber vielleicht hatte er ja Glück und musste sich die Hände nicht dreckig machen.
McCoi konnte ihn mal. Immerhin hatte er seine Autorität untergraben, als er die „Gentleman“ angeheuert hatte für ihn zu arbeiten. Nach und nach hatte er seine Führungsposition ihm weggenommen und die Gruppe nur noch auf sich fixiert. Das war McCoi, wenn er irgendwo Menschen beeinflussen oder beherrschen konnte, dann tat er es, ohne Rücksicht auf Verluste. Er hätte ihn schon längst umgelegt, wenn die Summe nicht so hoch wäre, mit der McCoi sie bezahlte.
„Sir, würde es ihnen etwas ausmachen den Wagen wegzufahren?“ Die Glatze drehte sich um und sah einen Polizisten auf sich zukommen. Verdammt, wieso müssen die Bullen immer dann kommen, wenn man sie am wenigsten brauchte?, dachte der Glatzkopf und schenkte dem Polizisten nur ein müdes und verständlich wirkendes Lächeln. Der Typ sollte bloß abhauen, es wäre ja noch schöner, wenn er die 9mm in seiner Jackettasche entdecken würde.
„ Natürlich.“, war seine knappe Antwort und er startete den Wagen und fuhr um das Wohnhaus herum. Er befand sich nun an der Rückseite des Hauses. Ein Fenster der Wohnung war zu erkennen, ansonsten nur Müllcontainer.
Verdammter Mist, was sollte er hier schon groß sehen können, etwa wie jemand aus dem Fenster springen würde?
Genau in diesem Moment hörte er einen Knall und sah er die Scheibe zersplittern und einen Körper aus dem Fenster fliegen. Dicht gefolgt kam ein riesiger Feuerball, der donnernd aus dem Fenster geschossen. Das Glas flog durch die Luft, dem Körper hinterher. Der Boden bebte kurz etwas, in einiger Entfernung konnte der Alarmsignale von Autos hören, die durch die Erschütterung der Explosion angesprungen waren..
Er konnte es nicht fassen, was für ein Glück er mit dem Polizisten gehabt hatte. Zudem musste er etwas schmunzeln. Jemand springt aus dem Fenster, welch ein Spaß Gottes ihm kurz vor der Explosion diesen Gedanken zukommen zu lassen.
Er sah, wie die Person hinter einem Holzzaun verschwand und schaute dann wieder hinauf zu dem zerborstenen Fenster. Große Flammen fauchten in der einstigen Wohnung und verbrannten alles, was sich ihnen in den Weg stellte.
Er stieg aus, denn es musste jetzt schnell gehen, die Feuerwehr würde bald da sein und dann unnötige Fragen stellen und vor allem, man würde ihn sehen. Er ging um den Bretterzaun herum und sah den Mann in einem Container liegen. Der Mann stöhnte leicht. Er war mitten auf einige Müllsäcke gefallen. Unfassbar, er hatte einen Sturz aus fast acht Metern überlebt. Er griff den Arm des Mannes und wollte ihn hochhieven, um ihn dann in sein Auto zu legen, als eine heraneilende Frau plötzlich rief: „Ist er verletzt?“ Was für eine blöde Frage, dachte der Glatzkopf. Die Frau kam näher. Sie trug hatte einen Gehstock und war von älterem Kaliber.
 Mist, sie durfte auf keinen Fall sehen, wie er wirklich aussah, zwar hatte er eine Sonnenbrille auf, aber trotzdem, man konnte nie vorsichtig genug sein. Erschießen konnte er sie auch nicht, dafür waren wahrscheinlich schon genug Schaulustige unterwegs, um zu sehen, was den Lärm verursacht hatte.
Er wandte sich von dem Mann ab und ging mit schnellen Schritten zurück zu seinem Wagen. Die Frau war noch weit genug entfernt gewesen, um nur seine Statur zu sehen, mehr nicht. Der Wagen sprang an und er fuhr davon. Es war nichts so verlaufen wie es sollte. Dave Johnson war zwar noch am Leben, aber nicht in seiner Gewalt, er musste ihn einfach weiter beschatten und ihn sich bei einem späteren und günstigeren Zeitpunkt schnappen. Er griff zu seinem Handy, wählte eine Nummer und sagte schnell und abgehackt: „ Johnson lebt, er hat die Explosion überstanden. Konnte ihn nicht in meine Gewalt bringen, keine Ahnung wie er es schafft der „Kraft“ zu widerstehen, bleibe dran.
 
 
 
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Nacht von Montag auf Dienstag:
Susan befand sich in einer riesigen Menschenmenge, plötzlich löste sie sich, dicht gefolgt von einem Mann. Sie ging weiter in Richtung einer Gasse, plötzlich rempelte der Mann sie an und verwickelte sie kurz in ein Gespräch. Dann rannte er weg und Susan hinter ihm her.
Die Stimme sah sich das Video in einem abgedunkelten Raum immer und immer wieder an und prägte sich alle Einzelheiten ein.
Sein Plan war fehlgeschlagen. Er war wohl nicht der Einzige gewesen, der Susan hatte beobachten lassen. Für Dave galt wohl dasselbe, soviel er wusste würde Morgen ein Trupp von McCois Männern vor seiner Tür stehen, um ihn richtig fertig zu machen, damit er auch bald zu ihnen gehörte, zu den Sklaven McCois. McCoi hatte es damals mit Dave clever angestellt. Er hatte ihn scheinbar laufen lassen, ihn aber auch gleichzeitig für das Projekt Time vorbereitet. Für Dave würde es bald schlimmer als der Tod werden, wenn er, die „Stimme“ nichts unternehmen würde, um ihn und Susan zu retten. Beide hatten die Informationen um McCoi das Handwerk zu legen und beide waren intelligent genug, um den Plan zu durchschauen.
Die Stimme erhob sich von dem Sessel, ging herüber zu einem Fenster, betätigte einen Schalter, sodass die elektrische Rolllade sich hob und ein wenig Mondlicht hineinscheinen konnte. Er blickte herunter auf Galen, herunter auf Sue, Dave und McCoi, sie alle waren in der Stadt, sie alle waren auf dem Spielfeld. Von dem Fenster aus glich Galen einem vierdimensionalen Schachbrett. Wobei die Zeit wohl der Schlüssel zum Erfolg werden würde und Dave im Moment wohl einen Zug gemacht hatte, den McCoi nicht verstand, denn Dave hatte die Zeit - wenigstens für kurze Zeit- besiegt.
 Jetzt galt es nur herauszufinden, wer das Spiel besser beherrschte, er oder McCoi.
Er wandte sich von dem Fenster ab, drückte wieder auf den Schalter und nahm sich den Verzerrer und sein Diktiergerät und fing an zu sprechen. Als er geendet hatte, spulte er das Tonband noch einmal zurück, hörte sich das Gesagte noch einmal an und nickte zufrieden. Er legte das Band zurück, nahm sich noch eine Flasche Wasser und trank gierig daraus. Heute war wirklich ein harter Tag gewesen, der erste des Spiels und viele würden noch folgen, er hatte da so eine Ahnung. Als die Flasche leer war, stellte er sie weg, wischte mit dem Handrücken kurz über seinen Mund und überlegte. Sollte er die beiden wirklich im Dunkeln tappen lassen oder sollte er es riskieren ihnen wenigstens einen Tipp zu geben? Er ging in dem dunklen Raum umher, die Hände auf seinem Rücken gefaltet und dachte scharf nach.
Es heißt immer Wissen ist Macht und Macht ist Wissen, aber wenn man etwas zu früh wusste, dann war dies auch nicht gerade von Vorteil. Es würde die beiden noch mehr belasten. Zudem würde McCoi seinen Plan wohl schnell durchschauen. Er hatte zwar geplant erst nach seinem alten Plan vorzugehen, aber da Susan den Ipod verloren hatte, wusste McCoi von seiner Existenz. Es war geschehen und konnte wohl nicht mehr geändert werden. Bei diesem Gedanken musste er kurz auflachen. Die gute Zeit, was sie wohl noch bringen würde? Er wusste es nicht, aber er hatte einen Entschluss gefasst und griff zu seinem Handy.
Nun war es an der Zeit die nächste Figur in das Spiel zu bringen.